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Brückenschläge und Schlagworte

Tag: zuhause

Sehnsucht nach den Eltern

In der Tagesschau spricht einer von den unsäglichen alten weißen Männern von Obergrenzen und „Verlierermodus“. Bei twitter werde ich von jemandem retweetet, der in seiner Timeline die „Zerstörung Deutschlands“ durch Muslime behauptet. Auf einer Internetseite, die ich zur Vorbereitung auf die Berliner Wahl zum Abgeordnetenhaus besuche, beschimpft ein SPD-Politiker mit wüsten Worten eine Kollegin von den Grünen. Nicht in einer Kommentarspalte oder auf einer Veranstaltung, auf seiner persönlichen Internetseite, auf der er seine Positionen erklärt. Mich frustriert und ärgert das alles.

Und dann sitze ich plötzlich in meiner Wohnung auf dem Holzdielenfußboden und weine bitterlich. Aus einem ganz anderen Grund. Mich überfällt eine riesige Sehnsucht nach meinen Eltern.

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Muttertag

Früher hat es mich sehr geärgert, wenn man mir gesagt hat, dass ich manche Dinge erst verstehen würde, wenn ich älter bin. Inzwischen kann ich gut damit leben, dass ich manche Dinge nie verstehen werde. Vor allem aber wächst in mir die Erkenntnis, dass Verstehen nicht immer der Heilsbringer ist, für den ich es halten möchte. Manche Dinge werden nur grausamer, je mehr ich darüber weiß.

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Fluchtgeschichten

Der @kurzhaarschnitt hat hier über seine Oma gebloggt. Die @mettministerium hat hier über ihre Familie gebloggt. Die @meg_gyver hat schon letztes Jahr hier über sich selbst gebloggt. Fluchtgeschichten. Flüchtlingsgeschichten. Vertriebenengeschichten. Sie haben in diesem Sommer eine ganz neue Bedeutung bekommen.

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Beste Freundinnen

Meine beste Freundin im Kindergarten hieß Lea. Lea hatte krause Locken und eine kleine Schwester, die erst langweilig war, weil sie immer schlief und dann nervte, weil sie immer durch das Kinderzimmer krabbelte. In der Grundschule war meine beste Freundin Aiko. Sie kam aus Japan und wir haben uns in der zweiten Klasse gestritten, weil sie immer meine Bilder in Kunst abgemalt hat und nie eigene Ideen hatte. In der dritten Klasse wurde Paulina meine beste Freundin. Sie war klein und zerbrechlich und schenkte mir zum Abschied in der Grundschule eine selbstgebastelte Muschelkette.

Von keiner der drei habe ich heute eine Telephonnummer, Emailadresse oder auch nur den Facebookkontakt.

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Blaue Albernheit

Tage, an denen man meint, sich niemandem zumuten zu können, weil man sich selbst allein schon so unendlich viel zu viel ist.

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Seliges Erstaunen

Es ist ein kalter Nachmittag im Februar, und ich laufe durch meinen Kiez nach Hause. Ich habe mich gegen den Bus entschieden, weil der um diese Zeit immer grauenhaft voll ist und sich unangenehm durch die Rush Hour ruckelt, so dass mir zwischen den behornbrillten Hipstern mit Jutebeuteln, den bekopftuchten Muttis mit Einkaufskörben und den bezahnspangten Schulkindern mit Primark-Tüten immer ein bisschen übel wird. Also laufe ich, und da ich heute keine Termine mehr habe, gerate ich ins Schlendern und Spazieren, mein Gang wird langsamer, gemütlicher, und obwohl mein kalter Atem an meinem Schal unangenehm kondensiert, genieße ich die frische Winterluft und die Tatsache, dass ich Zeit habe und mich nichts zur Eile antreibt.

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Heimat auf Zeit

Bald lebe ich schon vier Jahre in der großen Stadt. Außer in der Stadt, in der ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin, habe ich noch nirgends so lange gelebt. Auslandsaufenthalte, Studienortswechsel und Reisen haben mein Leben zerrissen und auf das Zauberhafteste wieder zusammengesetzt zu einem bunten Flickenteppich unterschiedlicher Heimaten auf Zeit. Sie sind alle Teil meines Lebens, keine wil ich missen. Und doch muss ich gestehen, dass sie mit jedem Umzug schwerer zu beantworten war, die Frage danach, wo ich eigentlich hingehöre.

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